Unser Berufsverband

Die tauben Gebärdensprachdolmetschenden in Deutschland und Österreich haben sich zu einem Berufsverband zusammengeschlossen, um aktiv an der Weiterentwicklung ihres Berufsfeldes zu arbeiten und das Verständnis für ihre Tätigkeit zu fördern. Das Ziel ist auch, dieses Berufsbild bekannt zu machen, die Einsatzbereiche zu erklären, aber auch Abgrenzungen zu anderen Berufsbildern zu definieren. Die Aufklärung über ihren Beruf und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen gehören zu weiteren Aufgaben der Mitglieder.

Ausbildung und staatliche Abschlussprüfung:

Die Ausbildung der tauben Dolmetschenden bzw. Übersetzenden in Deutschland war ein weiterbildendes Studium, das gemeinsam vom Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) der Universität Hamburg und der ebenfalls dort ansässigen Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) angeboten wurde und mit der staatlichen Prüfung abgeschlossen hat.

Die Lehrinhalte des Studiums waren äußerst vielfältig und reichten von Gedächtnistraining und Linguistik fürs Gebärdensprachdolmetschen über International Sign bis zu Simultandolmetschen, Vom-Blatt-Übersetzen und Dolmetschen vom Teleprompter.

Die ersten tauben Gebärdensprachdolmetschenden haben das Studium im September 2011 erfolgreich beendet und im Anschluss die staatliche Prüfung am Amt für Lehrerbildung (AfL) in Darmstadt absolviert. Die absolvierenden Personen gründeten unmittelbar nach Abschluss des Studiums eine Arbeitsgruppe, welche sich „Forum tgsd“ nennt.

Simultandolmetschen: Verdolmetschung in Deutsche Gebärdensprache, andere nationale Gebärdensprachen und International Sign

Für taube Gebärdensprachdolmetschende ist eine Gebärdensprache die Erst- und Alltagssprache. Sie sind seit ihrer Kindheit eng mit der Gehörlosengemeinschaft vertraut und in deren Sprache und Kultur sozialisiert. Die meisten hörenden Gebärdensprachdolmetschenden hingegen sind lautsprachlich aufgewachsen und haben eine Gebärdensprache erst später als Fremdsprache erlernt.

Taube Gebärdensprachdolmetschende arbeiten in unterschiedlichen Settings. Dazu gehören Einsätze, bei denen zwischen verschiedenen Gebärdensprachen gedolmetscht wird, ebenso wie Settings, in denen zwischen einer Gebärdensprache und einer Lautsprache vermittelt wird. In diesen Fällen arbeiten sie häufig im Team mit hörenden Gebärdensprachdolmetschenden.

Ein typisches Beispiel sind Vorträge, bei denen hörende Dolmetschende aus der deutschen Lautsprache in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) dolmetschen und taube Dolmetschende anschließend aus der DGS in eine andere nationale Gebärdensprache oder in International Sign weiterdolmetschen.

Häufig kommen taube Gebärdensprachdolmetschende auch in Kombination mit Schriftdolmetschenden zum Einsatz. Dabei übertragen Schriftdolmetschende das gesprochene Wort in Schriftsprache, während taube Dolmetschende den Text lesen und in die jeweilige Zielgebärdensprache dolmetschen.

Diese Form des Simultandolmetschens wird beispielsweise bei Kongressen, Tagungen oder internationalen Veranstaltungen eingesetzt. Je nach sprachlichen Anforderungen arbeiten taube Gebärdensprachdolmetschende dabei mit hörenden und/oder tauben Teammitgliedern zusammen.

Live-Verdolmetschung schriftlicher Texte

Des Weiteren dolmetschen taube Dolmetschende schriftliche Texte live in eine Gebärdensprache. Dabei werden Texte nicht vom Blatt übersetzt, sondern unmittelbar und situativ verdolmetscht, zum Beispiel Inhalte aus Formularen, Anträgen oder anderen schriftlichen Unterlagen.

Darüber hinaus dolmetschen taube Dolmetschende für taube Menschen mit Migrationsgeschichte, deren Erstsprache nicht die Deutsche Gebärdensprache ist, sowie für taube Menschen mit besonderen sprachlichen Bedürfnissen. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Menschen mit Mehrfachbehinderungen.

Eine inzwischen selbstverständliche Form des Dolmetschens, die durch die Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist das digitale Plattform- und Livestream-Dolmetschen. Dabei befinden sich die Dolmetschenden an einem anderen Ort als die übrigen Beteiligten und sind über das Internet mit dem Geschehen verbunden. Auf diese Weise dolmetschen taube Dolmetschende unter anderem politische Veranstaltungen, zum Beispiel Sitzungen von Landtagen, dem Bundestag oder Pressekonferenzen.

Medienübersetzen: Inhalte in Deutscher Gebärdensprache als Gebärdensprachvideos:

Ein weiteres Arbeitsfeld für taube Dolmetschende ist der Bereich der Internetauftritte von Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene in Form von Gebärdensprachangeboten. In diesem Zusammenhang ist die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 maßgeblich. Darin ist unter anderem festgelegt, dass bestimmte Inhalte der Internetauftritte von Behörden der Bundesverwaltung in Deutscher Gebärdensprache bereitzustellen sind.

Die Qualität von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen ist uns als professionellen Sprachmittlern besonders wichtig. Einen Orientierungspunkt bildet hierbei beispielsweise die europäische Norm DIN EN 17100 für Übersetzungsdienstleister. Diese legt Qualitätsstandards für Übersetzungen fest und benennt unter anderem die Qualitätssicherung als zentrales Kriterium für hochwertige Übersetzungsleistungen.

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