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Die gemeinsame Stellungnahme zum Einsatz von Gebärdensprach-Avataren wurde nicht nur vom Deutscher Gehörlosen-Bund (DGB) veröffentlicht, sondern gemeinsam mit mehreren weiteren Verbänden der Gehörlosengemeinschaft in Deutschland. Neben dem DGB unterzeichnen auch die Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände e.V., der Berufsverband der tauben Gebärdensprachdolmetscher*innen e.V. sowie der Bundesverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Deutschlands e.V. diese Stellungnahme.

In dem Text äußern die Verbände kritische Bedenken gegenüber dem zunehmenden Einsatz digitaler Gebärdensprach-Avatare und fordern einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie. Sie betonen, dass die derzeit verfügbaren Avatare — die oft als moderne Lösung für Barrierefreiheit beworben werden — sprachlich nicht ausgereift sind, unnatürliche Gebärden und Mimik zeigen und damit den Anforderungen an barrierefreie und verständliche Kommunikation nicht gerecht werden. Dadurch entstünden neue Hürden statt echter Barrierefreiheit, und die natürliche Sprache und kulturelle Integrität der Deutschen Gebärdensprache (DGS) seien gefährdet.

Die Stellungnahme kritisiert zudem, dass viele Projekte zwar vermeintlich mit gehörlosen Personen arbeiten, diese aber häufig keine echte Mitbestimmung oder fachliche Entscheidungsbefugnis besitzen. Dies werde als symbolische Beteiligung („Tokenismus“) wahrgenommen, die tatsächliche Einflussnahme aber verhindere. Auch der Umgang mit gebärdensprachlichen Daten sei problematisch, da Daten aus der Gehörlosengemeinschaft gesammelt und wirtschaftlich genutzt würden, ohne dass faire Kontrolle oder Rechte der Beitragenden gewährleistet seien.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gefahr des sogenannten „Barrierefreiheits-Washing“ – also dass öffentliche Stellen den Einsatz solcher Avatare als ausreichenden Nachweis für Barrierefreiheit betrachten könnten, obwohl diese Lösungen keinen echten dialogfähigen, vollständigen Zugang in DGS sicherstellen.

Auf dieser Grundlage fordern die Verbände ein zeitlich befristetes Moratorium für den Einsatz von Gebärdensprach-Avataren im öffentlichen Bereich, bis verbindliche Qualitätsstandards, klare ethische Leitlinien, transparente Datenregelungen und eine echte strukturelle Beteiligung gehörloser Menschen sichergestellt sind.